Kauft Axel Springer Ebay Kleinanzeigen? Das spricht dafür – und dagegen

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| Hinweis: Artikel enthält Provisions-Links – Was ist das?

Axel Springer interessiert sich offenbar für eine Übernahme des Anzeigengeschäfts von Ebay, zu dem in Deutschland Ebay Kleinanzeigen und Mobile.de gehören. Doch der Preis wäre hoch.

Ebay plant möglicherweise den Verkauf seiner Anzeigensparte Ebay Classifieds Group (ECG). Wie das Wirtschaftsmagazin Capital berichtet, spekuliert die Axel-Springer-Gruppe auf eine mögliche Übernahme und spielt verschiedene Varianten durch. Ein Unternehmensvertreter wird mit der Aussage „es ist klar, dass uns das interessiert“ zitiert. Ebay hatte im März angekündigt, man wolle das Portfolio überprüfen.

Ebays Anzeigensparte setzt eine Milliarde um

Zu den deutschen ECG-Portalen gehören das Autoportal Mobile.de sowie der Kleinanzeigenmarktplatz Ebay Kleinanzeigen. Ebays ECG-Konzernteil erzielt immerhin einen Gesamtumsatz von rund einer Milliarde Dollar, wovon laut Branchenkennern rund die Hälfte aus dem Deutschlandgeschäft resultiert. Im Dezember hatte Ebay Kleinanzeigen rund 28,2 Millionen Unique User und kam damit auf eine Reichweite von fast 48 Prozent unter den deutschen Onlinern.

Schon daher ist es naheliegend, dass Axel Springer hier eine mögliche Übernahme prüft. Das Unternehmen hat sich in den letzten Jahren konsequent vom rein verlegerischen Kerngeschäft entfernt (auch wenn man inzwischen zu Europas umsatzstärksten Digitalverlagen zählt) und setzt vermehrt auf E-Commerce-Beteiligungen, etwa bei Ladenzeile.de oder Idealo.de (Beteiligung an der Visual Meta), die inzwischen für einen nicht zu vernachlässigenden Anteil an Umsatz und Gewinn sorgen. Insgesamt steuert laut der kürzlich veröffentlichten Zahlen das Digitalgeschäft bereits heute 84 Prozent zum Gewinn und 71 Prozent zum Umsatz bei.

Springer-Einstieg kaum ohne fremde Hilfe möglich

Eine solche Beteiligung würde also gut ins Portfolio passen, zu stemmen sein wird sie allerdings selbst für Axel Springer nicht so ohne Weiteres. Denn der finanzielle Umfang wird auf rund acht bis zehn Milliarden Euro taxiert – selbst für ein Unternehmen dieser Größenordnung ohne Hilfe von Investoren zu viel. Möglich wäre eine Holding, an der sich dann externe Partner beteiligen könnten, ähnlich wie dies mit Springers weltweiten Immobilienportalen passieren soll. Für Springer könnten beide Anzeigenportale aber auch noch aus einem anderen, eher inhaltlichen Grund interessant sein: Springer verfügt über die Medienportale, in die derartige Angebote gut passen würden – und hier die nötige Reichweite mitbringen würden.

Fragt man bei den beteiligten Unternehmen nach, erhält man die in Konzernen übliche Antwort: man sage nichts zu nicht-finalen Plänen. Doch klar ist: Ebay steht spätestens seit der Kritik einiger US-Hedge-Fonds, allen voran der Elliott-Fonds, unter Zugzwang. Dieser und einige weitere Fonds hatten sich für die Zerschlagung des Konzerns ausgesprochen, um einzelne Teile wettbewerbsfähiger zu machen und mit Konkurrenten wie dem Amazon Marketplace und Alibaba mithalten zu können.

Immerhin konnte Ebay im vergangenen Quartal die Investoren mit Zahlen überzeugen und zahlte erstmals eine Dividende. Die Fonds, die jeweils nur einstellige Prozentbeteiligungen halten, sind sicher, dass Ebay noch profitabler sein könnte, wenn man sich wieder auf das ursprüngliche Kerngeschäft konzentrieren würde – und Nebenkriegsschauplätze anderen überließe, zu denen neben Ebay Kleinanzeigen und Mobile.de auch die US-Ticketbörse Stubhub gehören.

Synergien durch Kleinanzeigenmärkte

Ob Springer zum Zug kommt, ist allerdings keineswegs klar. Denn insbesondere der norwegische Medienkonzern Schibsted dürfte an den Anzeigenmärkten interessiert sein (und auch zusammen mit weiteren Partnern das nötige Geld aufbringen können). Dennoch sind die Synergien zwischen diesen Satelliten und dem Hauptgeschäft von Ebay nicht wegzudiskutieren – und gerade die beiden deutschen Portale stehen wirtschaftlich gut da. Insofern sieht auch Ebay-Chef Devin Wenig, wie er in einem Analysten-Call im Januar erklärte, keinen Sinn in einer solchen Verschlankung. Ob er mit dieser Haltung die Hedgefonds überzeugen kann, entscheidet sich bald.

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By |März 22nd, 2019|News|