Ikea will Möbel bald nicht mehr nur verkaufen

Mieten statt kaufen: Bei Möbeln lohnt sich das nur in den seltensten Fällen – für beide Seiten. (Bild: Shutterstock / Tooykrub)


| Hinweis: Artikel enthält Provisions-Links – Was ist das?

Kaufst du noch oder mietest du schon? Der Möbelriese Ikea experimentiert aktuell mit Leasing- und Mietmodellen für seine Möbel. Doch das dürfte sich nur für wenige Kunden lohnen.

Das schwedische Möbelhaus plant laut Medienberichten ein neues Vertriebskonzept: Man will Möbel nicht mehr nur zum Verkauf, sondern auch zum Mieten und Leasen anbieten. Derzeit wird das Konzept in der Schweiz erprobt, bis Ende 2020 will Ikea aber auch in Deutschland diese Vertriebsvariante einführen. Wie das Unternehmen auf einer Veranstaltung ankündigte, sollen die Kunden die Ware nutzen können und Ikea will sie danach nachhaltig weiterverwenden, aufarbeiten und erneut anbieten.

Mieten bei Ikea: Lohnt sich nur in wenigen Fällen

Als mögliche Zielgruppen für solche Mietmodelle hat das Unternehmen zum einen Studenten (etwa in den Niederlanden und Polen), aber auch kleine Unternehmen (in Schweden und der Schweiz) im Visier. Es mag sich buchhalterisch und aus Cashflow-Sicht lohnen, den Kaufpreis über die lange Laufzeit aufzuteilen. Aber gerade die durchaus überschaubaren Kaufpreise sind es in Kombination mit dem vergleichsweise hohen Aufwand für die Verwaltung des Mietvertrags, die das Ganze wenig profitabel erscheinen lassen. Und angesichts der Tatsache, dass die Summe der Mieten über 24 Monate bei solchen Modellen meist weitgehend dem Kaufpreis entspricht, macht das System nicht attraktiver.

Nach Ende eines Leasingzeitraums will Ikea die Möbel, soweit sich das lohne, wieder aufarbeiten und „ihren Lebenszyklus so verlängern“. Neben Büromöbeln strebt das Unternehmen beispielsweise auch bei Küchen ein Leasing-Modell an. Das könnte den Kunden ermöglichen, häufiger mal auf eine neue Küchenfront zu schauen, oder aber bei einem zeitlich befristeten Mietvertrag für eine Wohnung die passende Küche gleich mit zu mieten. Außerdem teilte das Unternehmen mit, man wolle an der Strategie, mehr Läden in Innenstadtlage zu eröffnen und zusätzlich noch Leistungen wie handwerkliche Dienstleistungen anzubieten, festhalten.

Mit der Idee, neben klassischem Verkauf Produkte auch zu vermieten, steht Ikea nicht alleine da. Der Versemder Otto ermöglicht bei Sportgeräten, Möbeln und Unterhaltungselektronik ähnliche Mietmodelle und auch Mediamarkt vermietet via Grover zahlreiche Produkte aus dem Bereich der Unterhaltungselektronik. In allen Fällen lohnt sich das Mieten jedoch vor allem bei kurzen Laufzeiten, wenn man etwa ein bestimmtes Gerät nur für ein halbes Jahr testen will, bevor man sich für den Kauf entscheidet.

t3n meint: Bei Möbeln werden Mietmodelle nur für eine sehr begrenzte Zielgruppe funktionieren, im Bereich der niedrigpreisigen Möbel, wie sie Ikea bietet, ist selbst hier die Luft eher dünn. Auch wenn Ikea betont, dass es sich um eine besonders nachhaltige Lösung handelt, ist gerade das in Zweifel zu ziehen: Ein Regal oder ein Schrank in der üblichen Ikea-Qualität, der mindestens einmal auf- und abgebaut wurde, ist oftmals nicht mehr in einem vertretbarem Kosten-Nutzen-Verhältnis wieder aufzubereiten. Lediglich für chronisch klamme Selbstständige und Startups könnte ein solches Mietmodell aus Cashflow-Sicht interessant sein. Tobias Weidemann

Das könnte dich auch interessieren:

Weiterlesen

By |April 4th, 2019|News|